Nur noch Spuren

Das als Folge des Zweiten Weltkrieges zu Rußland gefallene nördliche Ostpreußen (Nordostpreußen) war fast 50 Jahre nicht zugänglich. Erst nach unerwarteten, durchgreifenden politischen Veränderungen wurden ab 1991 Reisen von Privatpersonen in diesen Teil Rußlands möglich. Bis dahin gab es aus dem regelrecht abgeschotteten Nordostpreußen und speziell über den ländlichen Bereich nur sehr spärliche Informationen. Im Laufe der Zeit gab es sich verdichtende Erkenntnisse, daß Kornberg nicht mehr vorhanden sein soll. Nach der politischen Öffnung wurden sie zur Gewißheit.

Für die ab Anfang der neunziger Jahre mögliche Einreise nach Nordostpreußen wird ein Visum benötigt. Zudem ist zum Betreten des 5-km-Grenzbereichs - in dem Kornberg liegt - eine gesonderte Genehmigung erforderlich.

Inzwischen haben zahlreiche Kornberger - einige wiederholt - ihren Heimatort aufgesucht. Ich habe mit meiner Familie vom 12. - 20.6.1995 eine individuelle Reise mit dem Pkw nach Nordostpreußen gemacht und bin dabei heimwärts den Treckfluchtweg weitestmöglich noch einmal gefahren.


Es ist also so, in Kornberg - Ausnahme Klein-Kornberg - stehen keine Gebäude mehr. Auch der Augenschein spricht dafür, daß sie abgetragen worden sind. Das Material hat wahrscheinlich anderenorts Verwendung gefunden. Die Standorte der Gehöfte konnten meist lokalisiert werden. Es fanden sich Reste der Grundmauern, die Gebäudegrundrisse teilweise nachvollziehbar machten. Alte Bäume, Flieder-, Jasmin- und Johannisbeersträucher sowie eingefallene Brunnen markieren das völlig überwucherte Hof-/Gartengelände. Eben alles nur Reste, Spuren, Anhaltspunkte. Die Acker- und Weideflächen sind offenbar weitgehend aufgeforstet worden. Sie sind mit inzwischen um die 50 Jahre alten Bäumen bedeckt. Im übrigen ist Wildwuchs bestimmend.







Die tiefgründigen Moor- und Bruchflächen weisen einen hohen Wasserstand aus.


Jedoch:
Die ostpreußische Landschaft hat - wenn auch in Teilen erheblich beeinträchtigt - ihre ursprüngliche Schönheit bewahrt. Sie ist sogar noch urwüchsiger und in einigen Gebieten wie um Kornberg (wieder) zur Wildnis geworden. Die hier unberührt erscheinende Landschaft fasziniert, macht aber auch traurig.

Durch den Besuch in Nordostpreußen - vor allem jedoch in Kornberg - sind wir mit der bedrückenden Tatsache der neuesten Geschichte Ostpreußens konfrontiert worden, daß unser Heimatort - wie viele andere Ortschaften - abgetragen wurde. Wir haben mit eigenen Augen gesehen: Kornberg ist ausradiert. Kornberg ist Vergangenheit.


Ehemals Standort der Schule


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